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DER SELIGE PRIESTER MICHAEL SOPOCKO
(1888-1975)
Biografie bearbeitet nach:
"Diener Gottes Priester Michael Sopocko"
Von Pfarrer Professor Henryk Ciereszka
Teil I
Der Selige Priester Michael Sopocko, Beichtvater
und Geistlicher Führer der Schwester Faustina, war durch ihre Vermittlung
mit dem Geheimnis der Erscheinungen vom Barmherzigen Jesus
direkt verbunden. Gott hat für ihn eine ungewöhnlich wichtige
Rolle bestimmt. Realisation
der von Jesus an Sr. Faustina überwiesene Mission. Diesem Werk hat
er fast sein ganzes
Leben gewidmet.
Die Seligsprechung von Michael Sopocko fand
am 28. September 2008 im Heiligtum
der Barmherzigkeit Gottes in Bialystok (Polen) statt. Dieses Ereignis
ist Grund dafür seine Person
den Gläubigen, besonders den Verehrern der göttlichen Barmherzigkeit,
näher vorzustellen.
KINDHEIT DES MICHAEL
Michael Sopocko wurde am 1. November 1888 in Nowosady
(bei Wilno) in Litauen, in adeliger Familie mit patriotischen Traditionen
geboren. Trotz der schwierigen Lebensumstände haben
die Eltern seine Hauptausbildung besorgt. Schwere Arbeit im Acker, die
Notwendigkeit des stetigen Kampfes ums Überleben der Familie, hat
für Spockos Familienglieder die Schule des Lebens ausgemacht und
deren Charakter gebildet. Eine gute moralische Einstellung der Eltern,
ihre
tiefe Frömmigkeit und ihre gegenseitige Liebe hatten die seelische
Entwicklung Michaels
und seiner Geschwister entsprechend beeinflusst.
Sowohl gemeinsame tägliche Gebete als auch regelmäßige
Anwesenheit im Gottesdienst wurden in der Familie praktiziert. In die
18 km entfernte Kirche fuhr die Familie mit einem Pferdegespann. Die zuhause
herrschende Atmosphäre erweckte in Michael schon seit Kindheit eifrige
Frömmigkeit und den Wunsch sich ganz dem Dienst im Priestertum aufzuopfern.
Jugend
STUDIEN IM PRIESTERSEMINAR IN WILNO
1910 begann Michael vierjährige Studien im
Priesterseminar in Wilno, die er dank des vom Rektor erhaltenen Stipendiums
fortführen konnte. Am 15. Juni 1914 wurde er zum Priester geweiht.
Erste Jahre des priesterlichen
Wirken in Wilno
KAPLAN IN TABORYSZKI
Michael wurde als Kaplan zur Pfarrei Taboryszki
in Wilno gesandt. Neben seinen Pflichten führte
er in Eigeninitiative eine Katechese mit der Jugend durch. Das erste Jahr
als Seelsorgearbeiter wurde mit einer großen Erstkommunionfeier
(ca. 500 Kinder) belohnt. Im Sommer 1915 weilte
über Taboryszki die deutsch-russische Front des Krieges. Kaplan Sopocko
hielt trotz Gefahr
des Krieges Gottesdienste ab und nahm am Pfarrgemeindeleben teil.
Priester Michael zwischen Telnehmern
des Sommerferienkurses in Wilno
In Taboryszki engagierte sich Priester Sopocko
in Sachen Bildung und eröffnete in Nachbarortschaften neue Schulen.
Diese Tatsache wurde Ursache zur Verfolgung des Priesters durch die deutsche
Besetzungsmacht die anfangs tolerant für seine Tätigkeit war
und ihn sogar finanziell unterstützt hatte. Sie fingen an die Ausfahrt
von Sopocko nach Wilno zu verhindern
und erschwerten das herbeiholen der Lehrer in den neu entstandenen Schulen.
Durch diese
Art wurde er gezwungen Taboryszki zu verlassen.
STUDIEN IN DER THEOLOGISCHEN
ABTEILUNG
DER WARSCHAUER UNIVERSITÄT UND DIENST ALS MILITÄRGEISTLICHER
Im Jahre 1918 bekam Sopocko von der Kirchenbehörde
in Wilno die Erlaubnis zur Ausreise
nach Warschau um in der dortigen Universität Theologie zu studieren.
Krankheit und die politische Situation in Polen haben leider das Studium
verhindert. Als er nach der Behandlung nach Warschau zurückkehrte
um das Studium wieder aufzunehmen, stellte sich heraus, dass die Universität
wegen der Kriegsoperationen geschlossen worden war. Priester Sopocko meldete
sich daraufhin freiwillig als Feldgeistlicher. Der Feldbischof ernannte
ihn zum Feldgeistlichen
und entsandte ihn zum geistlichen Dienst ins neu gegründete Feldkrankenhaus
nach Warschau.
Nach dem ersten Dienstmonat im Krankenhaus bat er um
Versetzung an die Front. Er wurde
zum Regiment nach Wilno geschickt. Dort fing er seinen Dienst zwischen
Soldaten an.
Außer dem sakramentalen Dienst erteilte er sich in kritischen Zustand
befindlichen Kriegsverwundeten Hilfe. Nach langem Marschieren mit dem
kämpfenden Regiment zeigten
sich bei Sopocko erneut gesundheitliche Probleme. Er wurde deshalb zur
Behandlung
in das Militärkrankenhaus eingewiesen, wo er während der mehreren
Wochen dauernden Rehabilitation auch als geistlicher Betreuer der Kranken
diente. Nach der Kur wurde ihm
die Funktion als Feldgeistlicher im Schulungslager der Offiziere in Warschau
erteilt.
Seine Pflichten waren dort jede Woche religionsmoralische Gespräche
mit Offizieren
und Unteroffizieren verschiedener Formationen zu führen sowie geistlicher
Dienst in zwei militärischen Krankenhäusern zu verrichten.
Im Rahmen führender Vorträge behandelte Sopocko
Probleme aus Dogma und Geschichte
der Kirche. Er besprach sowohl den Katechismus als auch aktuelle Themen
des militärischen Dienstes. Die von ihm berührte religionsmoralische
und patriotische Problematik wurde
von seinen Vorgesetzten hoch angesehen. Seine Arbeiten wurden gedruckt
und die Offiziere
aller Regimente wurden verpflichtet, diese Arbeiten allen Rekruten bekannt
zu machen.
Priester Sopocko als Feldgeistlicher
im Offizierslager in Powaski
Im Oktober 1919 wurde trotz des Krieges die Tätigkeit
an der Universität wieder aufgenommen. Priester Sopocko meldete sich
an der Sektion Moralische Theologie auf Vorträge über Rechte
und Philosophie. Von diesem Moment an musste er seine Zeit zwischen Studien
und geistlichem Dienst in der Armee teilen. Zusätzlich war er auch
noch mit der Organisation der sozialen
Tätigkeit beschäftigt. Er hielt Wache über das Funktionieren
der "brüderlichen Solidaritätshilfe".
Er war Vorsitzender der Soldatengastwirtschaft und einer Schule für
verwaiste Kinder
von Soldatenfamilien.
Im Sommer 1920 war er Zeuge des Frontscheiterns und
gleich danach erlebte er in Warschau
den heldenhaften Sieg über die sowjetische Armee. Nach Jahren der
Erinnerung kommentierte Priester Sopocko dieses Ereignis als außergewöhnliches
Werk göttlicher Vorsehung und Zeichen der Barmherzigkeit Gottes für
Polen, erbeten durch Gebete der Gläubigen, die im August zahlreich
die Kirchen füllten.
Während der Amtszeit als Feldgeistlicher und moralischer
Theologiestudent nahm er zusätzlich das Studium in der Pädagogischen
Hochschule auf. 1923 bekam er den Titel als Magister
der Theologie und beschäftigte sich im Fachbereich Pädagogik.
Aufgrund von Forschungsergebnissen wurden "Negative Auswirkungen
von Alkohol auf die Entwicklung jugendlicher Begabung" Basis für
seine Diplomarbeit. "Alkoholismus und Schuljugend"
war die von Erfolg gekrönte Studie im Pädagogischen Institut.
MILITÄRISCHE SEELSORGE
UND SOZIALDIDAKTISCHE ARBEIT IN DER REGION WILNO
Der Bischof von Wilno, Jerszy Matulewicz,
wusste von den Verdiensten und Erfolgen als auch
von der theologischen und pädagogischen Vorbereitung von Priester
Sopocko und wollte ihn
für die Arbeit in der Diözese gewinnen. Anfangs wollte er ihm
die Organisation der Jugendseelsorge anvertrauen. Priester Michael nahm
den Vorschlag des Bischofs an und kehrte
zur Arbeit nach Wilno zurück. Die formale Entscheidung folgte im
Herbst 1924. Mit Rechtskraft wurde Priester Sopocko zum Leiter des militärischen
Seelsorgebezirkes in der Region Wilno ernannt. Dieser Bezirk umfasste
12 selbstständige Einheiten, die zusammen über zehntausend Soldaten
zählten. Die Versetzung Sopockos nach Wilno war eine Beförderung,
was ihm jedoch größere Verantwortung und Aufgaben abverlangte.
Michael als Feldgeistlicher
Priester Sopocko und andere Feldgeistliche beschlossen
auf den Konferenz, dass neben sakramentalem Dienst in jeder militärischen
Abteilung einmal alle zwei Wochen religionsmoralische Gespräche geführt
werden sollten. Priester Sopocko nahm auch
die ihm vom Bischof anvertraute Aufgabe auf, die Jugend zu organisieren.
Er lud die Lehrer
zur Mitarbeit ein. Mit deren Hilfe gelang es ihm einige polnische Jugendbünde
zu gründen.
Priester Sopocko mit Organisatoren
und Mitgliedern des Jugendbunds (Wilno 1926)
Trotz zahlreichen Pflichten als Seelsorger führte
Sopocko das Theologische Fernstudium
an der Warschauer Universität fort und arbeitete an seiner Doktorarbeit
in Moraltheologie
mit dem Titel: "Familie in Gesetzgebung auf polnischer Erde".
Seine Doktorarbeit bestand
er am 1. März 1926. Die Beschäftigung mit dieser Lehre verlangte
fremdsprachliche Kenntnisse.
Zu diesem Zweck lernte er deutsch, englisch und französisch. Gro0es
Interesse unter den Gläubigen fanden die Katechesen und Lehren, die
Sopocko den Soldaten auf Russisch verkündete.
Nach dem erzielten Doktortitel bereitete er die
nächste Arbeit vor; diesmal Habilitationsbreit.
In den Jahren 1927-1928 amtierend als Leiter des militärischen Seelsorge
Bezirks, bekam
er eine weitere, sehr verantwortungsvolle Stelle: Geistlicher Vater im
Seminar und Leiter
der Kathedrale für Pastorale Theologie an der Universität in
Wilno.
Das neue Amt zwang ihn zum allmählichen Verzicht
auf die militärische Seelsore.
GEISTLICHER VATER
IM SEMINAR UND LEITER DER KATHEDRALE FÜR PASTORALE THEOLOGIE
AN DER UNIVERSITÄT IN WILNO
Priester Sopocko war geistlicher Vater und zugleich
ein Moderator der "Sodalicja Marianska"
des Eucharistischen Kreises im Dritten Franziskanerorden und im Kreis
des Missionarischen Klerusbundes. Ein weiterer Dienst, der die ganze Zeit
in Wilno ausübte, war die Beichte
der Ordensschwestern. Nachdem er teilweise von der militärischen
Seelsorge befreit war, beschäftigte er sich neben der Aufgabe als
geistlicher Vater in Seminaren mit Vorträgen
und wissenschaftlicher Arbeit. Weil es in der Zeit an entsprechenden Lehrbüchern
fehlte, bearbeitete er selbst die Hefte für die von ihm geführten
Fächer. Später von Studenten vervielfältigt, machten sie
eine wesentliche Studienhilfe aus.
Die wissenschaftlichen Forschungen von Sopocko waren
hauptsächlich mit Habilitationsarbeit verbunden und betrafen die
Probleme der Erziehung und geistliche Formation. Um den Lehrstoff für
seine Arbeit zu sammeln, reiste er im Sommer 1930 zu Bibliotheken in westliche
Länder Europas aus. Diese Reise war furchtbar für ihn sowohl
in wissenschaftlicher als auch religiöser Hinsicht. Außer Habilitationsarbeit
schrieb er wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Artikel.
Im Bereich der pastoralen Theologie verfasste er Artikel zu kirchlicher
Enzyklopädie,
hielt Vorträge und beschäftigte sich mit wissenschaftlicher
Publizistik. Immer mehr
in wissenschaftliche Arbeit engagiert, bat er den Feldbischof und Erzbischof
um die Entlassung
aus dem Dienst als Feldgeistlicher und aus der Funktion als Geistlicher
Vater.
Er erhielt die Erlaubnis, wenn auch nicht sofort.
Seit September 1932 wohnte Priester Sopocko bei den
Ordensschwestern "Wizytki",
wo er das Schreiben seiner Habilitationsarbeit mit dem Titel: "Das
Ziel, Subjekt und Objekt
der geistlichen Erziehung nach M. Leczycki" in Ruhe zu Ende bringen
konnte. Am 15. Mai 1934 wurde er habliiert. Nach der Habilitation wurde
er vom Ministerium für Religiöses Glaubensbekenntnis und Öffentliche
Aufklärung zum Dozenten der Warschauer Universität
ernannt, ebenso erhielt er den gleichen Titel für die Kathedrale
der Pastoralen Theologie
der Stefan-Badtory-Universität in Wilno.
Zwischen Studenten
der Stefan-Badtory-Universität in Wilno
BEGEGNUNG MIT SCHWESTER Faustina
Seit 1932 war Priester Sopocko Beichtvater
bei den Ordensschwestern der Schwestern
der Muttergottes der Barmherzigkeit, die damals ihr Haus in Wilno (Vilnius,
Litauen) hatten.
Hier traf er Schwester Faustina, die im Mai 1933 nach der Ankunft in Wilno
seine Penitentin
wurde (siehe Erinnerungen). Die Begegnung wurde wesentlich für sein
weiteres Leben
und zukünftige Mission. In der Person Schwester Faustinas begegnete
ihm eine Verehrerin
de Göttlichen Barmherzigkeit, die er im eigenen Leben erfuhr und
dafür Gott verehrte.
Sr. Faustina fand in Priester Sopocko einen lichtreichen Beichtvater und
geistlichen Führer.
Sie fing an, immer öfter ihre Erlebnisse, verbunden mit der Erscheinung
vom Barmherzigen Erlöser, zu erzählen. Aus Zeitmangel empfahl
Priester Sopocko der Sr. Ihre innerlichen Erfahrungen in ein Heft zu schreiben.
In seiner Freizeit las er das . Auf diese Art und Weise
ist das geistliche Tagebuch von Sr. Faustina entstanden.
Sr. Faustina informierte Priester Sopocko
in Bezug auf Erscheinungen, die sie vor und nach
der Ankunft in Wilno erfahren hatte, wie Jesus ihr es aufgetragen hatte.
Jesu Wunsch war es,
das Bild vom Barmherzigen Jesus malen zu lassen (siehe
das Bild),
das Bemühen einen neuen Feiertag einzuführen (siehe
der erste Sonntag nach
Ostern) und eine neue Ordensgemeinschaft
zu gründen (siehe
neuer Orden).
Die Realisierung der Aufgaben wurde Sopocko durch
die Vorsehung Gottes anvertraut.
Im März 1934 war Sopocko auf Pilgerschaft
im Heiligen Land. Das war ein großes Erlebnis für ihn, was
er später in Erinnerungen sowie in Berichten bei seinen Publikationen
zum Ausdruck brachte. Im Juni 1934 wurde Priester Sopocko Rektor der Kirche
zum Heiligen Michael in Wilno. Dieses Ereignis war in späteren Jahren
von großer Bedeutung. In der Kirche wurde am 4. April 1937
auf Wunsch von Jesus selbst das erste Bild vom Barmherzigen Jesus geweiht
und aufgehängt. (siehe
Bildgeschichte)
Im März 1936 verließ Sr. Faustina
Wilno. Priester Sopocko blieb mit ihr in Briefkontakt und besuchte sie
in Kraków (Polen). Er realisierte auch das ihm anvertraute Werk,
den barmherzigen Jesus der Welt näher zu bringen. Anhand der Kirchenlehre
suchte er die theologische Begründung der Existenz der Eigenschaft
von Barmherzigkeit in Gott und suchte Gründe für die Einführung
des neuen Feiertages auf Jesu Wunsch. Die Ergebnisse seiner Forschung
und Argumentation
für die Einführung des Feiertages stellte er in einigen Artikeln
theologischer Magazine dar.
Auch in getrennten Arbeiten zum Thema: "Die Idee der göttlichen
Barmherzigkeit".
Im Juni 1936 gab er in Wilno die erste
Broschüre mit dem Bild des Barmherzigen Jesus auf dem Umschlag heraus.
Diese Publikation schickte er an alle Bischöfe, die auf der Episkopatkonferenz
in Czestochowa (Tschenstochau, Polen) anwesend waren, ihm jedoch keine
Antwort gaben.
Die zweite Broschüre mit dem Titel "Barmherzigkeit Gottes in
der Liturgie" gab er im Jahre 1937
in Poznan (Posen, Polen) heraus.
Zum Ende des Jahres 1937 wurde der gesundheitliche
Zustand von Sr. Faustina bedeutend schlechter. Priester Sopocko besuchte
si in Kraków Anfang September 1938, schon fast im Sterben liegend
(siehe Ordensgemeinde).
Sr. Faustina verstarb am 5. Oktober 1938. Nach dem Kriegsausbruch 1939
beschloss Priester Sopocko die Sache mit der Erscheinungen von Sr. Faustina
nicht mehr
zu verheimlichen, denn es wurde spürbar, dass die Kriegstragödie
und die damit verbundenen Ereignisse die Berichte aus den Erscheinungen
bestätigen.
Mit der Idee der Göttlichen Barmherzigkeit
ist der Bau der Kirche in Wilno unter diesem
Namen verbunden. 1938 wurde eine Leitung zum Kirchenbau berufen die bald
die Bestätigung
der Kreisverwaltung und des Erzbischofs R. Jalbrzychowski erhielt. Mit
dem Kriegsausbruch
und dem Einmarsch der russischen Armee in Wilno unterbrach die neue politische
Situation
das angefangene Werk und machte es schließlich ganz zunichte. Der
angesammelte Baustoff wurde von der sowjetischen Armee geraubt. Das Geld
für den Bau verschwand von den Banken. Priester Sopocko bemühte
sich 1940 bei der Besatzungsmacht um die Erlaubnis, wenigstens
eine Kapelle bauen zu dürfen, bekam aber keine Zustimmung.
BESATZUNGSJAHRE UND NACHKRIEGSZEIT
IN WILNO
Die schwierige Situation des Krieges, die immer breitere
Flächen Europas einnahm, die peinliche Kränkung von Menschen
vieler Nationen und das Verbreiten des Bösen stärkte bei Sopocko
immer mehr die Überzeugung vom Bedarf des erbarmen Gottes über
die Welt. Er begann also mit noch größerer Überzeugung
die Idee de Göttlichen Barmherzigkeit zu verkünden, in welcher
er eine Rettung für die Welt sah. Die Pfarrer aus Wilno und Umgebung
luden ihn zur Konferenz ein.
In der Fastenzeit verkündete Priester Sopocko
im Dom zu Wilno in den Passionsgottesdiensten
die Predigten von der Göttlichen Barmherzigkeit. Zum Gottesdienst
kamen viele Gläubige
und die Predigten fanden großes Echo in der Stadt. In dieser Zeit
begann Priester Sopocko
mit der Bearbeitung des Traktates von der Idee der Göttlichen Barmherzigkeit
sowie den Bedarf einen neunen Feiertag zu seiner Ehre einzuführen:
"De Miserikordia die deque eiusdem festo instituendo". Zu dieser
Arbeit ermutigte ihn noch vor dem Krieg Kardinal Hlond, dem Sopocko seine
wissenschaftliche Forschung betreffs der Barmherzigkeit Gottes vorzeigte.
Im Juni 1940 wurde Litauen erneut von der russischen
Armee besetzt und nach einem Monat
als fünfzehnte Republik der Sowjetunion angeschlossen. Priester Sopocko
musste das Treffen
mit organisierten Gruppen, deren Betreuer er war, unterbrechen. Er hatte
auch keine Möglichkeit das Traktat von der Göttlichen Barmherzigkeit
auszugeben. Zur Hilfe kam ihm Jadwiga Osinska, die sich als Profi der
klassischen Philosophie, mit der sprachlichen Seite des Traktates beschäftigte.
Sie kopierte das Traktat in Konspiration mit Hilfe von Bekannten.
Dann sorgte sie dafür, dass diese Exemplare zu
Personen kamen, die eine Möglichkeit hatten,
aus Wilno auszufahren. Afu diesem Weg ist das Werk von Sopocko in mehrere
Länder, vor allem zu Bischöfen Europas und der Welt gelangt.
Priester Sopocko wurde wegen seiner Verkündigung der Göttlichen
Barmherzigkeit und der Verbreitung dieses Kultes von der Gestapo gesucht.
Gewarnt von einer Beamtin aus dem Meldungsbüro, floh er vor der Festnahme.
Zur Sicherheit verließ er Wilno. Als die Gefahr vorbei war, kehrte
er nach Wilno zurück
und hielt vorträge im geistlichen Seminar, wo trotz der schwierigen
Lebensumstände des neue akademische Jahr 1940/1941 begonnen wurde.
Wieder wohnte er bei der Kirche des Heiligen Michael, wo früher immer
mit größerer Ehre das Bild vom Barmherzigen Jesus ausgehängt
wurde.
Am 22. Juni 1941 brach der deutsch-sowjetische Krieg
aus. Wilno befand sich bald unter neuer Besatzung. Besondere Diskriminierung
hatte das Jüdische Volk zu erleiden. Priester Sopocko machte schon
vor dem Krieg Katechesen und traf Vorbereitungen zur Taufe von Juden.
Die Früchte dieser Bemühungen waren zirka 65 getaufte Personen.
Priester Sopocko erteilte
den Juden materielle und geistliche Unterstützung. Derartiges Verhalten
drohte mit schweren Konsequenzen, einschließlich mit dem Verlust
des eigenen Lebens. Die Gestapo kam seiner Tätigkeit auf die Spur
und nahm ihn für einige Tage fest.
Ende 1941 verstärkten die Deutschen den Besatzungsterror.
Am letzten Sonntag des Advents wurden alle Kirche in Wilno wegen angeblicher
Epidemie geschlossen. Danach wurden die Priester festgenommen. Am 3. März
1942 unternahmen die Deutschen eine Großaktion gegen Geistliche.
Fast alle Priester, Professoren und Alumnen des Seminars in Wilno wurden
festgenommen. In der Wohnung Sopockos wurde auch eine Falle vorbereitet.
Von seiner Dienerin gewarnt, erreichte er die erzbischöfliche Kurie
um den Erzbischof von
der drohenden Gefahr zu benachrichtigen. Priester Sopocko bat um Entlassung
aus Vorträgen
und um den Segen für die Zeit der Verbergung.
Verkleidet verließ er Wilno, um das Kloster in
Czarny Bor zu erreichen. Die Schwestern "Urszulanki" erteilten
ihm Zuflucht und Hilfe in einem Haus am Waldrande, das sie gemietet hatten.
Er wurde in ganz Wilno von der Gestapo gesucht. Sie fragten besonders
in Pfarrhäusern und unter Priestern nach ihm. Kurz darauf wurde Erzbischof
Jalbrzychowski, der im Kloster Marianum wohnte, festgenommen und in Mariampol
interniert.
Priester Michael Sopocko in Czarny
Bor bei den Schwestern "Urszulanki"
Durch die Vermittlung von Vertrauenspersonen bekam
Priester Sopocko einen Personalausweis mit dem Namen Waclaw Radziewicz.
Seit dieser Zeit galt er als Schreiner und Zimmermann
und machte einfache Geräte und Werkzeuge für örtliche Einwohner.
Jeden Tag früh morgens
hielt er die heilige Messe. Danach nahm er sich viel Zeit für das
Gebet und persönliche Reflexion. Alle paar Wochen besuchte er das
Schwesternhaus in Czarny Bor, um die Beichte abzunehmen. Außerdem
beschäftigte er sich mit der wissenschaftlichen Arbeit anhand der
Literatur,
die er von Osinska und ihren Bekannten bekam.
Im Herbst 1944, trotz der ungewöhnlich schwierigen
Lebensumstände, beauftragte Erzbischof Jalbrzychowski die Eröffnung
der Vorträge im geistlichen Seminar. Nach zwei Jahren
des Lebens in Verbergung kehrte Priester Sopocko nach Wilno zurück
und nahm die ihm auferlegten Aufgaben auf. Jeden Sonntag fuhr er zusammen
mit anderen Professoren und Alumnen zur Dorpfarrei, um auf dem Feld die
Opfergaben zu sammeln, damit die Studenten
im Seminar existieren konnten.
Priester Sopocko arbeitete als Seelsorger und verkündigte die Barmherzigkeit
Gottes außerhalb von Wilno. Trotz der antireligiösen Einstellung
tolerierten die Republikmächte anfangs die seelsorgliche Tätigkeit
der Priester. Allmählich jedoch begannen sie diese Arbeit zu beschränken,
besonders die Jugend- und Kinderkatechese. Obwohl das Treffen immer heimlich
veranstaltet wurde, war es trotzdem zu den Führungsorganen vorgedrungen.
Priester Sopocko wurde zum Polizeirevier bestellt. Es zeigte sich die
reale Gefahr der Sanktion und es drohte im die Deportation nach Sibirien.
Zusammen mit diesen Ereignissen bekam Sopocko im Juli
1947 von Erzbischof R. Jalbrzychowski aus Bialystok durch die Vorsehung
Gottes bestimmt, eine Aufforderung zur Arbeit in Polen.
Darum beschloss er Wilno schnellstens zu verlassen, denn die Zeit der
Repatriierung Polens
aus Litauen endete. Vor der Reise, in der Hoffnung die Trennung von Wilno
sei nur kurz,
besuchte er die Kapelle der Barmherzigen Muttergottes in Ostra Brama.
Ende August 1947 reiste
er nach Bialystok. Das war der letzte Transport von Polnischen Menschen
nach Polen.
PRIESTER SOPOCKO
- ORDENSGRÜNDER DER SCHWESTERN VOM BARMHERZIGEN JESUS
Nach der Ankunft in Bialystok (Polen) meldete sich
Sopocko bei Erzbischof Jalbrzychowski für
neue Aufträge und Funktionen. Ende September 1947 reiste er für
ein paar Tage nach Myslibórz, wo Jadwiga Osinska und Isabella Naborowska
(die ersten Oberinnen des neu gegründeten Ordens) den Anfang des
gemeinsamen Ordenslebens organisierten. Dies war das erste Treffen mit
den Schwestern nach ihrer Ausfahrt aus Wilno. Seit der Zeit hielt er stetigen
Kontakt mit
den Schwestern, diente mit Rat und geistlicher Stütze und wachte
über die Entwicklung
des gegründeten Ordens (siehe
Heiligtum).
Priester Michael Sopocko mit
geistlichen Töchtern
WEITER
>> Biografie der Pr. Sopocko. Teil II
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Inhaltsverzeichnis
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© Die Ordensgemeinschaft der Schwestern
vom Barmherzigen Jesus
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